Begonnen hat unsere Berlinfahrt im Prinzip mit einer
typischen „Reinruf-Aktion“ mitten im Deutschunterricht, nachdem wir einen Film
über Bertolt Brecht angeschaut hatten. Viele Lehrer hätten dies gar nicht
weiter beachtet. Nicht so unser Referendar Herr Lingnau. Neben den
Unterrichtsvorbereitungen verbrachte er die darauffolgenden Tage mit
strategischen Tüfteleien, wie sich mit dem 11er Deutschkurs eine Berlin-Exkursion
realisieren ließe. Und kaum war die Nachricht über die Bewilligung der Fahrt
übermittelt, verbreitete sich neben der Freude auch schnell das Planungsfieber
unter den Schülern und es begannen hitzige Gespräche über Zimmeraufteilungen
und andere existentielle Dinge für eine Kursfahrt.
Am 27.1.2011 war der große Tag gekommen. Die
siebenstündige Busfahrt nutzten wir auch damit, uns die Polittalk-Sendung „Maybrit
Illner“ zum Thema „Wege zum Kommunismus“ mit der LINKEN-Vorsitzenden Gesine
Lötzsch anzusehen. Mit diesem Wissen gewappnet wollten wir in Berlin dem
Bundestagsabgeordneten Niema Movassat auf den Zahn fühlen.
Um 15.00 Uhr kamen wir endlich an unserem Hostel an. Nach
einer kurzen Erholungsphase ging es auch schon zum Reichstag. Dort wurden wir
aufs gründlichste kontrolliert. Nachdem wir uns im
Bundestag-Besucher-Restaurant gestärkt hatten, ging es weiter in Richtung
Plenarsaal, in welchem wir eine Debatte zum Thema „Gemeinsame Europäische
Agrarpolitik nach 2013“ anhören durften. Während dieser mussten wir
feststellen, dass es dort gar nicht so anders abläuft als in einer normalen
Unterrichtsstunde: Die einen rufen rein, die anderen scheinen vollkommen
desinteressiert und spielen an ihren i-Pads. Allerdings war es auch interessant
zu beobachten, wie die Parteien debattierten und wie schlagfertig die
Abgeordneten waren. Eine Stunde später wurden wir dann von dem
Bundestagsabgeordneten Niema Movassat abgeholt und in einen Raum geführt, in
dem er uns eine Stunde lang Frage und Antwort stand. Wir hatten ja noch die
Diskussionssendung mit Frau Lötzsch im Kopf. Kaum hatte Herr Movassat sich uns
vorgestellt, fragte auch schon der erste Schüler, wie er denn zu der
umstrittenen Kommunismus-Äußerung seiner Parteikollegin stehe. Diese und auch
sämtliche unserer anderen Fragen wurden bereitwillig von Herrn Movassat
beantwortet. Nachdem wir unseren Wissensdurst gestillt hatten, besuchten wir
die Reichstagskuppel und genossen einen wunderschönen Ausblick über Berlin bei
Nacht. Den ereignisreichen Tag ließen wir in einem Pub ausklingen, wo wir noch
etwas mit Herrn Movassat tranken und dabei einen Politiker persönlicher kennen lernen
konnten.
Am nächsten Tag lag der Schwerpunkt ganz auf Bertolt
Brecht. Drei Mitschüler hatten einen Vortrag zum Theaterstück „Furcht und Elend
des Dritten Reiches“ vorbereitet, das wir morgens im berühmten „Berliner
Ensemble“ sehen konnten. Es handelt sich um ein etwas anderes Stück, welches
Brecht während seines Exils geschrieben hat und in dem er in vielen Variationen
das Leben im Nationalsozialismus thematisiert.
Im Anschluss daran besuchten wir Brechts letzte Wohnung.
Dort erhielten wir eine kleine Führung mit vielen interessanten Informationen,
wie Brechts Arbeits- und Privatleben in den letzten Lebensjahren ausgesehen
hat. Wir besuchten auch den Dorotheenstädter Friedhof, auf dem Bert Brecht,
Helene Weigel und viele andere bekannte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte
gefunden haben. Der Rest des Tages stand dann der freien Gestaltung und
Erkundung Berlins zur Verfügung, was wir auch ausgiebig nutzten. Am Ende des
Tages kam der ganze Kurs noch einmal in einem amerikanischen Restaurant
zusammen, wo wir den Tag würdig ausklingen ließen. Und am Samstagmorgen hieß es
dann auch schon … Auf Wiedersehen, Berlin!
Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns die schöne Fahrt ermöglicht haben, besonders bei Herrn Lingnau, der das Ganze ins Rollen gebracht hat, aber auch bei Herrn Krumm, Frau Yazdani, unserem Busfahrer Manni sowie Herrn Movassat.
Jenny Dersen und Jonas Granzow

Brechts Denkmal vor dem „Berliner Ensemble“, umringt vom
GK Deutsch 11